Cala Ratjada [Bericht & Video]

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Das Meer hat die Farbe, die es sonst nur auf Fotos hat. Türkisblau und klar branden die Wellen an den hellen Sandstrand. Meine Füße versinken im feinkörnigen Sand während das Meer sie umspült. Das Wasser ist angenehm warm, deutlich milder als ich erwartet habe. Meine Augen können sich nicht satt sehen, meine Haut nicht satt fühlen, meine Lungen können gar nicht genug von der salzigen Luft aufnehmen. Mein Herz schlägt im Takt des Meeres, es hat meine Seele umspült wie meine Füße im Sand. Ich bin angekommen, denke ich mir und sehe zu meinem Freund hinüber. Mein Lächeln wird noch ein wenig breiter. Nein, wir sind angekommen.

Es ist 5 Uhr morgens am Flughafen in München. Mir ist schlecht, mein Magen ist für solche Uhrzeiten nicht gemacht. Der Tee vor mir und der Gedanke gleich in der stillen Wartehalle vloggen zu müssen machen es irgendwie nicht besser. Doch als ich eine Stunde später im Flugzeug sitze und es endlich durchstartet könnte es mir nicht besser gehen. Fliegen! Urlaub! Sonne! Strand! Meer! Ich kann es gar nicht mehr abwarten.

Es ist 11 Uhr morgens im Son Moll Sentits & Spa, Zimmer 616. Wenn die Busfahrt nicht so zermürbend („Und noch eine Bodenwelle, uuuund noch eine.“) gewesen wäre, würde mir vermutlich die Kinnlade herunter fallen. Ich hatte zwar die Bilder im Internet gesehen, das unser „Budget Zimmer“ aber genauso aussehen würde hatte ich nicht erwartet. Der Raum ist riesig, das Bett bequem, das Badezimmer traumhaft und der Balkon ruft leise nach uns. Draußen ist es bewölkt, aber dennoch heiß. Ich spüre ein Kribbeln in jedem Zentimeter meines Körpers. Ich muss ans Meer. Sofort.

Es ist 18:30 im Son Moll Sentits & Spa, Untergeschoss. Unsere Mägen knurren Sebastian an, der uns freundlich aber auch leicht belustigt empfängt als wir die ersten Gäste des Abends sind. Als wir eintreten können wir das Angebot gar nicht fassen. Sebastian erklärt uns noch was es heute alles gibt, doch ich höre schon gar nicht mehr hin. Ich habe Hunger. Und ich habe einen Platz mit Meerblick entdeckt.

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Es ist 23 Uhr am nächsten Tag im Chevy. Die Cocktails stehen vor uns, meiner ist ein alkoholfreier Mojito mit Erdbeeren. Erdbeeren! Ende Juli! Ein Traum. Vor uns auf der Strandpromenade tritt ein Feuerkünstler auf. Er ist gut, richtig gut. Der Moment ist jetzt, wir brauchen keine Kamera und keine Uhr. Wir brauchen nur uns. Und das Meer.

Es ist irgendwann in der Woche, wir haben die Zeit vergessen, am Hotelpool. Es ist ein Infinity Pool. Mit Meerblick. Aus der Ferne hört man den Obstverkäufer mit seiner tiefen Stimme um seine Ware werben. Melonaaa! Et Piña! Ich döse wieder weg, die Hitze wiegt mich in den Schlaf wie eine liebevolle Mutter ihr Kind.

Es ist irgendwann in der Woche, wir haben die Zeit vergessen, am Hafen von Cala Ratjada. Die Plakate der Schiffstouren sind ausgeblichen und man hört nur ein paar Möwen schreien. Eine blonde junge Frau namens Anja fragt ob sie uns helfen kann. Die Delfintour? Nein, das geht leider nicht, ein Reicher hat das Boot den ganzen Monat gemietet. Aber Delfine sind ohnehin nur bei schlechtem Wetter in der Bucht und diese Woche sei es viel zu schön. Ich bin enttäuscht. Wir nehmen Flyer und ein gutes Gespräch mit zurück ins Hotel.

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Es ist 10 Uhr am Freitag, auf der Uno Yacht. Miguel springt mit einem Satz aufs Dach der kleinen Yacht und lenkt uns gekonnt aus dem Hafen der hinter uns nun immer kleiner wird. Auf einem Felsen thront der weiße Leuchtturm, den wir wohl nicht mehr besichtigen werden. Zu verschwommen ist die Zeit, zu groß der Wunsch noch einmal zurückzukommen. Das Meer klatscht gegen das Boot, die Sonne küsst unsere Haut und das Leben ist in diesem Moment perfekt. Eine Stunde vergeht, es könnte eine Ewigkeit oder nur eine Sekunde gewesen sein, ich weiß es nicht. Die Yacht hält in einer Bucht deren Wasser so klar und so türkis ist, dass es kein Maler auf der Welt je auf eine Leinwand bringen würde. Mein Kopf ist sich nicht ganz sicher ob ich träume oder ob ich tatsächlich am Rand des Bootes stehe, die Schnorchelausrüstung in der einen, die GoPro in der anderen Hand. Mein Herz ist sich sicher und springt in das kühle Nass. Es ist kein Traum. Es ist das Leben. Und es fließt durch meine Adern, es pulsiert, es erfüllt mir, ich habe mich noch nie so lebendig gefühlt.

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Es ist 23 Uhr im Chevy am nächsten Tag. Mein Geburtstag. Den ich beinahe komplett verschlafen habe. Der Sonnenbrand auf meinem Rücken spannt sich und die Mallorca Akne an meiner Taille entzieht meinem Körper seine Kraft. Doch lächeln kann ich noch. Ich will nichts anderes mehr tun als lächeln. Wer seinen Geburtstag am Meer verbringen darf, hat den besten Geburtstag von allen. Wer dann auch noch Schokobrunnen und Erdbeeren im Hotel zum Nachtisch bekommt, kann sich sicher sein, dass das kaum zu toppen ist. Außer mit dem richtigen Menschen an der Seite, einem Bummel durch die Stadt und einem leckeren Ipanema Strawberry. Wir stoßen an.

Es ist irgendwann am Montag in irgendeiner Tapas Bar irgendwo am Hafen. Ich fühle mich underdresst in meinen Reiseklamotten und den einzigen Satz den meine Lippen noch formen können ist: „Ich will nicht nach Hause.“ Ich schaue permanent auf die Uhr, hin und hergerissen zwischen bleiben wollen und dem Zwang den Bus nicht zu verpassen. Vor mir stehen Tapas, sie sehen gut aus, aber wirklich Hunger habe ich keinen. Wo ist diese Woche hin, fragt mein Herz meinen Kopf. Der weiß es nicht und schüttelt sich. Die Bilder und Erinnerungen sind noch nicht sortiert, sie fliegen wild durcheinander. Meine strapazierte Haut und meine kaputten Haare fragen sich dagegen nur wann ich endlich wieder daheim ankomme, doch ihre Stimmen werden ignoriert. Kann ich wenigstens das Meer einpacken? frage ich meinen Freund, der nur schmunzelt und wieder auf den Hafen blickt. Ich bin nicht die Einzige, die sich in diesen Ort verliebt hat.

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Es ist 23 Uhr am Münchner Flughafen. Wir sind angekommen. In der Ferne sieht man das Gewitter leuchten, das unser Flugzeug soeben umflogen hat. Wolken verdecken den Mond und es regnet leicht. Delfinwetter.

6 Kommentare

  1. Das Meer sieht echt schön aus! Finds auch toll, dass du Urlaubseindrücke teilst. Ich persönlich finde nur das „Es ist..“ vor jedem Absatz nicht so gut, da es nach ner Weile eben sehr wiederholend ist. Aber das nur so am Rande ;)

  2. Oh, so schöne Bilder! Ich war letzten Herbst zum allerersten Mal auf Mallorca und wir waren auch in Cala Ratjada. Es war wundervoll, wenn auch nicht so heiß wie bei Dir.
    Wie schön, dass ich dank Dir noch mal in Erinnerungen schwelgen konnte. Manche Orte habe ich wieder erkannt.

    Liebe Grüße
    die Tintenelfe

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